Zertifizierungsinitiative PEFC Austria

Newsletter

Anmeldung zum Newsletter

Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an und Sie erhalten aktuelle Informationen von PEFC automatisch per E-Mail.

Ihre Daten werden in unserem Newslettersystem gespeichert, und NICHT an Dritte weitergegeben.

Logonutzung

Das Logo für mein Unternehmen

Die PEFC-Broschüre "Das Logo für mein Unternehmen" bietet einen Überblick über Logoanwendungsmöglichkeiten und die Vorteile in der Kommunikation mit dem PEFC-Logo. Sie können den Folder hier downloaden.

Download Folder

Pressemitteilungen


Pressemeldung vom 9. September 2005

Die Entwicklung der Zertifizierung in Österreich

Mit knapp 4 Millionen Hektar zertifizierter Waldfläche und zahlreichen Chain of Custody-Betrieben ist Österreich in den Bereichen Nachhaltigkeit und Zertifizierung ein Spitzenreiter

Fachartikel Holz Zentralblatt 9. September 2005

Die Zertifizierungsdebatte wurde europaweit maßgeblich von Österreich mitgeführt. Österreichs Familienforstwirtschaft einte sich mit der Holz verarbeitenden Industrie, den Gewerkschaften, Umweltgruppen und dem Handel und etablierte in Österreich flächendeckend das Zertifizierungssystem PEFC. Seither ist viel bewegt worden – in und außerhalb Österreichs.

Das Thema Zertifizierung ist für Fachleute wie für Laien komplex und vielschichtig. Zum besseren Verständnis sind Vorgeschichte und Entwicklung die unumgängliche Basis. Fortschreitende Waldflächenverluste insbesondere in den Tropen führten bereits Anfang der Neunziger Jahre zu intensiven Diskussionen über die Nutzung dieser Wälder. Betroffen waren großflächige Forstbetriebe, die in den Tropen Holzeinschlag betrieben. Die Tropenholzproblematik stellte sich wie erwartet umfangreich und widerspenstig dar. An einen produktiven Prozess war nicht zu denken. Lediglich kleine „Zertifizierungsinseln“ konnten herausgearbeitet werden. Das Ziel, die Wälder in den Tropen vor Raubbau zu bewahren, wurde jedoch klar verfehlt.
Die Waldfläche im Amazonas-Gebiet, dem größten zusammenhängenden tropischen Laubwald der Erde, beträgt ca. 550 Millionen Hektar. Zwischen 1978 und 1988 wurden ca. 20 Millionen Hektar Wald abgeholzt, zeitgleich sprach man weltweit erstmals von Waldzertifizierung, um die Tropenwälder zu schützen und um legal eingeschlagenes Holz zu markieren. Seit Beginn der Neunziger wurden in Brasilien 3,4 Millionen Hektar Wald nach FSC zertifiziert. In der gleichen Zeit wurden jedoch knappe 26 Millionen Hektar Wald geschlagen, 80 Prozent davon illegal.

Familienforstwirtschaft gerät unter Druck

Ob dieses Misserfolges übertrugen die Umweltorganisationen die Zertifizierung als politisches Instrument für die aktive Einflussnahme auf die Waldbewirtschaftung in Europa.
Gründe, weshalb die ursprünglich für den Tropenwald konzipierten Ziele in Österreich nicht zutreffen:

  • Es bestehen zahlreiche Gesetze, die ökologische und soziale Aspekte in Zusammenhang mit der Waldbewirtschaftung ausreichend berücksichtigen.
  • Im Regelfall leben die Waldeigentümer von der Nutzung ihres Waldes. Es besteht daher keine Schutznotwendigkeit indigener Bevölkerungsgruppen.
  • Eine ökologische Waldwirtschaft braucht nicht erst eingeführt zu werden, die nachhaltige Waldwirtschaft ist Bewirtschaftungsziel seit Generationen.

Die Kennzeichnung von Holz aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung bekam jedoch immer stärkere Relevanz für die Wettbewerbsfähigkeit des Produktes am Markt. Die europäische Familienforstwirtschaft geriet durch diejenigen Großkonzerne unter Druck, die sich einer FSC Zertifizierung unterworfen hatten, um daraus einen Marktvorteil zu gewinnen.
Es taten sich daher Verbände der Forst- und Holzwirtschaft aus 15 Ländern in der Initiative PEFC zusammen, um einen gemeinsamen Rahmen für die Zertifizierung von Forst und Holz zu schaffen. Durch eine Zertifizierung von Wald und Holz auf in erster Linie regionaler Basis soll glaubwürdig die nachhaltige Wirtschaftsweise in den einzelnen Ländern bescheinigt werden können, ohne dass übermäßige Kostenbelastungen für die kleinstrukturierte Forstwirtschaft und die Holzindustrie entstehen. Statuten, Standards und Kriterien bezüglich der nachhaltigen Bewirtschaftung, der Glaubwürdigkeit, Nachvollziehbarkeit und Transparenz wurden erarbeitet.

Österreich: Entwicklung in Richtung PEFC

Österreich war 1999 neben anderen Ländern eines der Gründungsländer von PEFC. Dr. Christian Brawenz war als Generalsekretär der Land & Forst Betriebe Österreich von Anfang an aktiv an der Entstehung involviert. „PEFC bietet ein auf die Familienforstwirtschaft in Europa maßgeschneidertes System. Es steht darüber hinaus in der weiterverarbeitenden Industrie für Selbstbestimmung und Verantwortung“, betont Brawenz, der bis vor kurzem als Vizepräsident von PEFC International tätig war.

Aufgrund der kleinflächigen Eigentümerstruktur – mehr als 50 Prozent der österreichischen Waldfläche ist Kleinwald unter 200 Hektar – war die Zertifizierung in Österreich vor allem eine Kostenfrage für die Waldbesitzer. Dipl.-Ing. Martin Höbarth, Referent des Waldbauernverbandes in Österreich: „Auf vorhandene Walddaten wie die der Österreichischen Waldinventur zurückgreifen zu können bot bei statistisch abgesicherten Daten für eine Region ein enormes Kosteneinsparungspotenzial für Waldbesitzer“. Es wurde eine Aufteilung der Waldfläche in 9 naturräumliche und administrative Einheiten erarbeitet – die PEFC Regionen. Das strenge österreichische Forstgesetz war mit Grund, warum das System rasch implementiert werden konnte.

Mittlerweile geht die Regionenzertifizierung in die „zweite Runde“: Bis 2007 werden sämtliche Daten aktualisiert und neu erhoben. Beginnend mit der Pilotregion 6 (Östliche Zwischenalpen) werden nach und nach alle 9 Regionen neu auditiert. Standards und Kriterien wurden im kontinuierlichen Verbesserungsprozess verfeinert und werden nun in die Berichte integriert. Transparent und für Interessierte zugänglich sind die Daten zusammengefasst einsehbar, die Berichte können zentral bezogen werden. Und auch die jüngste Waldinventur zeigt das nachhaltige Wachstum der Wälder: Erstmals in der Geschichte der Aufzeichnungen beträgt Österreichs Holzvorrat über eine Milliarde Festmeter im Ertragswald. „Das Potenzial für eine gesteigerte Holznutzung liegt im Kleinwald. Und dieser ist in Österreich zertifiziert“, so Martin Höbarth abschließend.

Der FSC in Österreich

Dem gegenüber steht der FSC bei Österreichs Waldbesitzern weiterhin auf nicht sehr gefestigtem Boden. Die für Forstbetriebe unverhältnismäßig hohen Kosten für eine „Seagull-Zertifizierung“ – möwenähnlich kommen ausländische FSC-Gesellschaften, zertifizieren nach einem auf Großbetriebe ausgerichteten System und verschwinden wieder – und die unmissverständlich forstwirtschaftsfeindliche Haltung der Organisationen, die den FSC promoten, ließen zudem die Unsicherheit wachsen. Bis heute gibt es in Österreich keine eigene FSC Arbeitsgruppe. Interessenten müssen sich stattdessen an den WWF oder FSC Deutschland wenden. Dementsprechend klein ist die österreichische Forstfläche mit FSC-Zertifikat. Lediglich sieben Forstbetriebe mit insgesamt rund 4.000 Hektar können in Österreich FSC-Holz liefern – zum Vergleich: allein die österreichische Papierindustrie bezog im Jahr 2004 mehr als 6 Millionen Festmeter Holz aus Österreichs Wäldern. Weiterverarbeitende Betriebe mit FSC Zertifikat sind demnach gezwungen, ihr Holz zum Großteil aus dem Ausland zu beziehen und nehmen dafür weite Transportwege in Kauf.

Österreichs Holz verarbeitende Betriebe – Die Chain of Custody Das waldreiche Österreich ist auch ein Land mit großer Tradition in der Weiterverarbeitung. Traditionell sind es die Sägewerke, die den Großteil der Holzabnahme für Österreichs Waldbesitzer gewährleisten: Während der FSC auf Kundenseite enormes Promoting betrieben hatte, allerdings kaum zertifizierten Rohstoff liefern konnte, konzentrierte sich PEFC auf die Versorgung der Weiterverarbeiter mit zertifiziertem Holz und die Umsetzung der Kriterien in den Wäldern und im Forst. Die enorme Rohstoffmenge, die ab 2000 PEFC zertifiziert geliefert werden konnte, war neben Kosteneffizienz und Transparenz natürlich ausschlaggebend für die Entscheidung vieler Sägewerke zur Zertifizierung. Dazu Mag. Christian Rebernig, oberster Interessenvertreter der Österreichischen Sägeindustrie im Fachverband der Holzindustrie und zugleich Obmann-Stellvertreter von PEFC Austria: „Österreichs Sägeindustrie ist der Garant für die Abnahme von Holz aus Österreichs Wäldern. Das natürliche Einzugsgebiet des Rohstoffes ist überwiegend PEFC zertifiziert. So verwundert es wohl keinen, dass nahezu die Gesamtproduktion österreichischer Sägewerke als PEFC zertifiziert angeboten wird“. Gleichzeitig verweist er aber auch auf Nachholbedarf: „Die Hausaufgaben wurden in den ersten Verarbeitungsstufen erledigt, nun liegt es an den Werbeprofis auf internationaler Ebene, Markt zu machen.“ Die zertifizierte Produktkette in der Weiterverarbeitung besteht zu einem wesentlichen Teil natürlich auch durch die Einbeziehung der Papierindustrie. „Die Papierindustrie kann sich auf ein rohstoffsicheres, unbestechliches und neutrales System verlassen. Gleichzeitig stärkt ein so großer Abnehmer damit die Waldbesitzer, die die Ressource Holz nachhaltig liefern“, so Dipl.-Ing. Thomas Stemberger, Obmann von PEFC Austria.

Nützen und Schützen

Nachhaltigkeit ist aber nicht nur das richtige „Pickerl“. Nachhaltigkeit bedeutet auch, regionale Ressourcen zu nutzen und lange Verkehrswege zu vermeiden. Flächendeckend ökologisches Arbeiten und keine „Ökoinseln“ sollen Ziel sein. Die heimische Wirtschaft wird gestärkt und es wird sozial und ökonomisch gehandelt. Letztlich darf es in der Zertifizierungsdebatte nicht nur um das Marketing gehen. „Die Erhaltung des artenreichen Lebensraumes Wald muss auch weiterhin Ziel bleiben“, bringt Mag. Franz Maier, Geschäftsführer des österreichischen Umweltdachverbandes, die Notwendigkeit der Zertifizierung auf den Punkt, „und mit PEFC werden Naturschutzziele im Wald gewahrt“. Der Umweltdachverband hat mit 34 Mitgliedsorganisationen und deren mehr als 1,3 Millionen Mitgliedern als größte Umweltschutzorganisation in Österreich als stimmberechtigtes Mitglied in der PEFC Hauptversammlung erhebliches Mitspracherecht an Standards und Anforderungen an die Zertifizierung.

Weit vor dem „Sustainability Boom“, bevor Aluminiumkonzerne Nachhaltigkeitsberichte herausgebracht und Umweltpreise vergeben hat, lange bevor Emissionshandel und Umweltauflagen gesetzlich reglementiert wurden, etablierte die Familienforstwirtschaft Europas die obersten Maxime ihres Wirtschaftens und Handelns: die Nachhaltigkeit. Kleinflächige Eigentumsstrukturen und eine starke Tradition im Leben mit dem Wald als Existenzgrundlage lassen kurzfristiges Denken nicht zu. Nachhaltigkeit ist somit nur ein Begriff für gelebte Tradition mit Blick in die Zukunft.

Daten und Fakten

PEFC ist das Zertifizierungssystem mit dem weltweit größten Rohstoffpotenzial. Insgesamt wurde bereits für mehr als 120 Millionen Hektar Wald in und außerhalb Europas der Nachweis erbracht, dass dieser umweltgerecht bewirtschaftet wird (Stand 08/2005). Von PEFC Council anerkannt ist zudem Kanada mit CSA (Canada’s National Sustainable Forest Management System Standard Association). Mitglieder und um Anerkennung bemüht sind die SFI (Sustainable Forestry Initiative) und das ATFS (American Tree Farm System) in den USA. Mehr als 2000 weiter verarbeitende Betriebe haben sich in und außerhalb Europas nach der PEFC Chain of Custody zertifiziert und gewährleisten eine transparente Produktkette.

Abkürzungen

PEFC Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes FSC Forest Stewardship Council

Für Rückfragen

PEFC Austria
Katharina Konicek (Öffentlichkeitsarbeit)
Alserstraße 21/1/5 1080 Wien

Tel: +43 / 1 / 402 47 01 - 17
Fax: +43 / 1 / 401 13 - 50
Email: presse@pefc.at
Internet www.pefc.at
 

Sie suchen ein PEFC-Produkt?